Küchmeister und Lietzo´sches Familienstipendium in Zerbst

 

Fürstliche Verordnung

 

 

 

 

"Da Wir nun also, wie schon gesagt, aus dem vorgelegten originalen Fundations-Brief des Kurfürsten und Fürsten zu Sachsen und Anhalt etc. sowie aus den hervorgeholten Akten und anderen Urkunden geschlossen, daß das Geschlecht der Küchmeister (welche in der lateinischen Abtretungsurkunde, die von Fürst Johannes II. von Anhalt etc, im Jahre 1380 am Tage der Kettenfeier des Apostels Petrus aufgerichtet und mit anhängendem fürstlichen Siegel vollzogen worden war, "die Coci" genannt werden) die erwähnten zwei Hufen Land vor Zerbst dem oben benannten Fürsten schriftlich angetragen und abgetreten haben und außerdem sich an diesen zwei Hufen sich nichts vorbehalten haben. Und darauf [hat] der besagte Fürst Johannes von Anhalt etc. mehr nach geschehener Auflassung ein Geschlecht - die Gisicken genannt - mit den genannten zwei Hufen belehnt, und nach dessen Aussterben dieser Acker wieder dem Fürstlichen Hause Anhalt als dem Stifter dieses Geistlichen Lehens zugefallen und überlassen. Daher sei auch unbeachtlich, was im "Ordenanzbuch" der Collation den Litzauern zugedacht werden mag, was nach dem Hinweis der Küchmeister darin verzeichnet ist - wie sie wörtlich schreiben: "Friederich Küchmeister berichtet ..." etc. auch soll unbeachtlich sein, was für Rechte den Küchmeistern aus der Collation und auch in sonstiger Weise zukommen mögen, denn er nutzt die Collation so, wie es ihm keineswegs gebührt. Er hat die Pächte von Nuto und Güterglück zu Unrecht für sich genommen und verkauft und Unserem als auch zu der studierenden Jugend Nachteil und höchstem Unrecht[ veruntreut. Noch viel weniger können Wir es gutheißen, daß er sich als der Familienälteste vor einigen Jahren tatsächlich unterstanden hat, seinem Schwager Wolff Goltschmiden die oben erwähnten zwei Hufen Land erst zu verschaffen und dann auch noch Pachteinnahmen in einem gewissen Maß in seiner Familie erblich zu machen. Schließlich hat Andreß Ferchlande - dessen Großmutter wohl eine Küchmeister gewesen ist -, da Wolff Goltschmiden die Pachtzahlungen mehrere Jahre schuldig blieb, deshalb Streit begonnen, wobei er soviel erreichte, daß dem genannten Goltschmide der Acker fortgenommen und ihm, Ferchland, als dieser damals davon studierte, überlassen wurde, und nach dessen Tod seiner Mutter, die so den Acker noch für vier Jahre für die erlittenen und aufgewandten Unkosten durch Unseres Rat zu Zerbst letzten Beschluß zugesprochen bekam.

 

Deshalb - weil nun bekannt, offenbar und alles aufgeführt worden ist, daß Wir als der Landesfürst und der Oberste Fundator und Kollator über diese Uns überlassenen, Uns aber bisher verschwiegenen und vorenthaltenen Güter vollkommen frei zu entscheiden gutes Recht und Macht haben und hier berechtigt sind, gute Verordnungen zu machen, wie es in Zukunft mit diesen zu christlichen milden Aufgaben bestimmten zwei Hufen Land und den Nutoschen und Güterglückschen Pächten zu halten sei also setzen, ordnen Wir an und wollen hiermit und kraft dieser Verordnung, daß die erwähnten beiden Hufen sowie die Pächte zu Nuto und Güterglück von allen früheren Pfändungen, von jeglicher weltlicher Veräußerung für ewige Zeiten befreit und Unserem Amt und den Geistlichen Inspektoren zu Zerbst zur oberen Verwaltung zugelegt werden, um nämlich die aus Nuto und Güterglück und die von den beiden mehrfach genannten Hufen jährlich kommenden Pächte einzunehmen und Uns darüber

 

jedes Jahr extra Rechnung zu führen und Uns vorzulegen, damit also von diesen Renten und Pächten zum Studieren fähige Personen entweder aus der Küchmeister- und Lietzo´schen Verwandtschaft, wenn es diese denn gibt - und es sollen diese in diesem Fall auch anderen vorgezogen werden -, oder - sollten von derselben keine vorhanden sein - andere fähige junge Leute (die sich sämtlich bei Unseren Lehrern Unserer Schule zu Zerbst zuerst zu melden haben und sich deren Prüfungen und Urteil zu unterwerfen und alsdann Unsere gnädigen Bestätigung[36]hierüber abzuwarten haben, was sie zu allen Zeiten zu tun Mir schuldig sein sollen) davon studieren bzw. zu freien Künsten auferzogen werden können, um später zu Kirchen- und Schuldiensten wie auch zu Regimentsdiensten gebraucht zu werden. Und es sollen neben dieser Verordnung die hier beigefügte Akte mitsamt dem Fundations-Brief von Kurfürst Rudolff von Sachsen über die Pächte zu Güterglück, datiert den 4. Juli des Jahres 1359, und die Urkunde des oben genannten Fürsten Johannes von Anhalt etc. im genannten 1380. Jahr "am Tage der Kettenfeier des Apostels Petrus etc." dem besag-ten Unseren Amte und den Geistlichen Inspektoren zu Zerbst übergeben werden, die hiermit ermahnt werden, diese Akten sorgfältig bei sich zu bewahren und sie keinesfalls abhanden kommen zu lassen."

 

Fürst Johann Georg I. zu Ahnhalt

 

Es siegelte Fürst Johann Georg zu Anhalt zu Dessau am 30. Mai 1600.